Wenn ein Wechsel praktisch unmöglich wirkt, steckt oft VENDOR LOCK-IN dahinter.
Heute geht’s um DIGITALE SOUVERÄNITÄT.
Im Schulalltag passiert das längst, nur sagt kaum jemand so dazu.
Es geht um Standards, Konten, Dateien und die Frage: Können wir später noch wechseln, wenn wir wollen?
Zuerst klären wir die Grundidee, dann schauen wir auf die typischen Fallen, und am Ende haben Sie ein kleines Set an Kriterien, das Sie direkt im Unterricht und im Kollegium verwenden können.
Und damit gleich vorneweg: Das ist keine Tool-Schulung.
Wir reden nicht darüber, wo man hinklickt.
Wir reden darüber, worauf man achten muss, damit Entscheidungen nachvollziehbar bleiben.
Weil nicht jede Lehrperson „vom Fach“ ist.
Und trotzdem macht Schule jeden Tag digitale Entscheidungen, oft nebenbei.
Die wirken später nach, weil sie Gewohnheiten und Standards setzen.
Bevor wir ins Digitale gehen: Warum taucht dieses Wort „Souveränität“ gerade so oft auf?
Weil das Prinzip aus anderen Bereichen bekannt ist.
Wenn man bei etwas Wichtigem extrem abhängig ist, merkt man das spätestens, wenn es schwierig wird.
Dann heißt es: Alternativen aufbauen, nicht alles auf eine Karte setzen.
Und genau diese Logik wird auf digitale Infrastruktur übertragen.
Im größeren Bild fällt auch Globalisierung.
Und dann dieser scharfe Ausdruck „digitaler Kolonialismus“.
Das kann man leicht missverstehen.
Gemeint ist nicht, dass Geschichte eins zu eins wiederholt wird.
Es ist eher eine Warnung: Wenn digitale Infrastruktur, Plattformen und Standards von wenigen dominiert werden, entsteht ein Machtgefälle.
Und das betrifft dann nicht nur Geld, sondern auch Kultur, Information und Handlungsspielräume.
Dann wird’s oft mit einer einfachen Skizze erklärt: Europa steht irgendwo zwischen USA und China.
Ja.
Und die Abhängigkeiten sind nicht überall gleich.
Richtung USA wird vor allem SOFTWARE-Dominanz betont, also wenige große Anbieter in vielen Bereichen.
Richtung China wird eher HARDWARE, Rohstoffe, seltene Erden und Produktion betont.
Damit das greifbar bleibt: Welche Beispiele werden für diese Dominanz genannt?
Bei Suchmaschinen wird Google genannt.
Bei Social Media wird Meta genannt, inklusive Facebook, WhatsApp und Instagram.
Bei Video fällt YouTube.
Beim Handel fällt Amazon.
Und bei Software-Ökosystemen fallen Microsoft, Google und Apple.
Das ist keine Wertung, sondern ein Bild dafür, dass wenige sehr groß sind.
Im Schulalltag heißt das ganz konkret: Wenn Unterricht und Organisation stark an solche Ökosysteme gebunden sind, wird ein Wechsel schwer.
Abhängigkeit entsteht dann nicht irgendwo da draußen, sondern auch in Bildungseinrichtungen.
Und darum hilft es, DIGITALE SOUVERÄNITÄT sauber zu definieren.
Sonst bleibt man bei Bauchgefühl oder bei „wir machen’s halt so wie alle“.
Dann setzen wir den Begriff.
DIGITALE SOUVERÄNITÄT heißt nicht „wir machen alles selbst“, oder?
Nein.
Es wird als Mitte beschrieben: zwischen DIGITALER ABHÄNGIGKEIT und DIGITALER AUTARKIE.
Abhängigkeit heißt: andere bestimmen wesentliche Regeln.
Autarkie wäre: alles selbst bauen und betreiben.
Die Mitte heißt: genug Kompetenzen aufbauen, um Technologien bewerten und mitgestalten zu können, und zugleich Partnerschaften nutzen, wo das sinnvoll ist.
Und es wird ausdrücklich gesagt: Niemand kann alles allein entwickeln.
Also eher Wahlfähigkeit und Steuerbarkeit, statt Abschottung.
Ein Schlüsselwort dabei ist TRANSPARENZ.
Wenn man Entscheidungen begründen will, muss man zumindest teilweise nachvollziehen können, was passiert.
Und deshalb taucht QUELLCODE als Begriff auf: weil er Prüfbarkeit ermöglicht, während PROPRIETÄRE Software oft als Black Box erlebt wird.
Dann gibt es noch diese drei Ebenen, auf denen digitale Souveränität gedacht wird.
Das hilft, weil es nicht nur IT ist.
Erstens Bürgerinnen und Bürger: PRIVATSPHÄRE, Schutz vor Überwachung, Vertrauen in Technologie, und die Möglichkeit, selbst zu entscheiden.
Zweitens Organisationen: Wettbewerbsfähigkeit, Datenkontrolle, Risiken durch Abhängigkeiten.
Drittens Staat: DEMOKRATIE und Resilienz, also wie stabil öffentliche Kommunikation unter Plattformlogiken bleibt.
Bleiben wir kurz bei Organisationen, weil dort ein Begriff auftaucht, der wirklich spürbar ist: VENDOR LOCK-IN.
VENDOR LOCK-IN wird als „eingesperrt sein in einem goldenen Käfig“ beschrieben.
Wenn man stark abhängig ist, können Preise und Bedingungen leichter diktiert werden.
Es werden Beispiele genannt: eine Preiserhöhung bei Microsoft, und Veränderungen nach Übernahmen im Softwarebereich.
Der Punkt ist: Nutzung kann plötzlich teurer oder komplizierter werden.
Im Schulalltag heißt das ganz konkret: Schulen verhandeln selten selbst große Verträge.
Aber sie zahlen trotzdem.
Mit Schulungsaufwand, Zeit, Kompatibilität, und dem Problem, dass Alternativen später schwerer werden, weil alles auf ein System eingeschossen ist.
Dazu kommt die CLOUD.
Da wird eine einfache Linie gezogen: Cloud kann sinnvoll sein, aber nicht alles gehört automatisch in die Cloud.
Ja.
Es geht um Abwägung.
Wer kann Daten sehen.
Was ist notwendig.
Was ist Risiko.
Und auch das ist Teil von Souveränität: nicht reflexartig, sondern bewusst entscheiden.
Dann kommt die Staatsebene: DEMOKRATIE und soziale Medien.
Das kann leicht wie „zu groß“ wirken.
Und trotzdem ist es für Schule sehr nah.
Es wird von „unsozialen Medien“ gesprochen und darauf hingewiesen, dass Plattformlogiken demokratische Prozesse aushöhlen können.
Der Kern ist: Das Thema hat demokratische Folgen, nicht nur technische.
Wenn man ehrlich ist: Viele Lehrkräfte spüren das ohnehin.
Im Klassenzimmer kommen Informationen nicht neutral an.
Sie kommen über Plattformen, Trends, Clips, Algorithmuslogik.
Man muss dafür keine Panik verbreiten.
Man kann Mechanismen erklären: Aufmerksamkeit, Sichtbarkeit, emotionale Verstärkung, Geschwindigkeit von Falschmeldungen.
Damit wird digitale Souveränität zu einer Frage von Urteilskraft.
Ab hier wird es praktischer, weil es um FREIE OPEN SOURCE SOFTWARE geht, oft als FOSS abgekürzt.
Dazu werden auch Organisationen genannt: die Free Software Foundation, der europäische Ableger FSFE, die Open Source Initiative, und in Österreich im Schulkontext der Verein OSOS.
Der Kern sind die vier FREIHEITEN.
Das klingt erstmal abstrakt, ist aber didaktisch spannend.
Weil es um Rechte geht: Software nutzen, verstehen, weitergeben, verbessern.
Das ist nicht nur Technik.
Das ist auch eine Frage, wer gestalten darf und wer nur konsumiert.
Dann wird erklärt, warum das praktisch Folgen hat.
Stichwort AUTONOMIE.
Freie Software ermöglicht AUTONOMIE, weil man maßgeschneidert entwickeln kann.
QUELLCODE kann veröffentlicht werden.
Andere können ihn kopieren und wiederverwenden, statt immer bei null zu starten.
Das unterstützt Kooperation und Weiterentwicklung.
Das lässt sich leicht in Bildungslogik übersetzen: Wissen wird teilbar.
Verbesserungen werden sichtbar.
Man baut aufeinander auf, statt alles zu verstecken.
Daraus folgen weitere Effekte: Wettbewerb kann gestärkt werden, weil Monopolisierung schwerer wird.
Zusammenarbeit wird erleichtert, weil QUELLCODE nicht bei einer einzelnen Firma eingesperrt ist, sondern weiterentwickelt werden kann.
Und es wird auch als Gegenmittel gegen VENDOR LOCK-IN beschrieben: Wenn ich nicht an eine Firma gebunden bin, kann ich Weiterentwicklung anders organisieren.
Ein typischer Stolperstein ist SUPPORT.
Wenn niemand zuständig ist, wird es mühsam.
Das gilt auch bei proprietären Systemen, nur wird es dort oft mitgekauft.
Der Unterschied ist: Bei offenen Lösungen bleibt Wechsel und Weiterentwicklung grundsätzlich möglich.
Dann kommt dieser Klassiker: SICHERHEIT.
Viele denken: Wenn QUELLCODE offen ist, ist das unsicher.
Diese Befürchtung wird genannt, und es wird die Gegenlogik erklärt: Wenn viele prüfen können, werden Schwachstellen auch schneller entdeckt und behoben.
Offenheit kann Sicherheitsarbeit erleichtern, weil Prüfbarkeit steigt.
Bis hier ist die Logik klar.
Jetzt wird es für Schule konkret: Was kann man selbst tun, um digitale Souveränität Richtung Unterricht zu bringen?
Die Empfehlung ist pragmatisch: Wenn man das authentisch vermitteln will, hilft es, als Lehrperson selbst Erfahrung mit souveränen Lösungen zu sammeln.
Schrittweise, nicht alles auf einmal.
Und es werden ANKERPUNKTE genannt, mit denen man anfangen kann.
Diese Ankerpunkte sind alltagsnah: Betriebssystem, Office und Cloud-Kollaboration.
Ja.
Und beim Betriebssystem wird Linux als Alternative genannt, neben Microsoft, macOS und auch ChromeOS, weil das in Österreich verbreitet ist.
Linux wird dabei sachlich beschrieben: sicher, stabil, vielseitig, anpassbar.
Und es wird erwähnt, dass es schon lange existiert und ausgereift ist.
Im Schulalltag heißt das ganz konkret: Niemand muss morgen umstellen.
Aber man kann Wahlfähigkeit aufbauen.
Ein Testgerät, eine Pilotgruppe, ein Projekt – das reicht oft, um Kriterien zu klären und Kompetenzen zu erweitern.
Dann kommen Beispiele aus Österreich, die zeigen sollen: Solche Entscheidungen werden in Institutionen real getroffen.
Es wird genannt: Im Bundesministerium für Landesverteidigung ist 2025 die Umstellung auf LibreOffice beschlossen worden.
Und im Ministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus gibt es seit einiger Zeit eine eigene Nextcloud.
Nextcloud wird dabei erklärt: Dateien teilen und gemeinsam weiterarbeiten, ähnlich wie Microsoft OneDrive oder Google Drive, aber als eigene Lösung.
Der Punkt ist: gleiche Funktionsklasse, andere Rahmenbedingungen.
Und im Bildungsministerium wird erwähnt, dass seit einiger Zeit viel auf OPEN SOURCE gesetzt wird.
Das ist der Übergang zur schulischen Infrastruktur.
Es werden Beispiele genannt: eine österreichweite Lernplattform „individual“ auf Moodle-Basis.
Dazu ein OER-Repository für freie Bildungsressourcen.
Und Next Exam als offenes Prüfungswerkzeug, das nicht nur in Österreich, sondern auch darüber hinaus gedacht ist.
Da wird’s im Alltag spannend: Viele denken bei Digitalisierung zuerst an ein Tool.
Hier sieht man eher ein System: Plattform, Materialien, Prüfungen.
Wenn das nicht zusammenspielt, entstehen Brüche.
Wenn es zusammenspielt, wird es stabiler.
Dann gibt es noch den Blick ins Ausland.
Frankreich ist dabei besonders ausführlich.
Genannt wird eine französische Initiative, die seit 2013 ein eigenes Linux-System hat, und seit 2005 LibreOffice nutzt.
Außerdem wird die Stadt Lyon genannt, wo Linux verwendet wird, LibreOffice genutzt wird, und eine eigene Nextcloud für Dateiaustausch läuft.
Und es wird im französischen Bildungssystem eine Videokonferenz-Software namens Vizio erwähnt, die bis 2027 von Beamten genutzt werden soll, um MS Teams und Zoom abzulösen.
Wichtig dabei ist: Vizio wird als QUELL OFFEN entwickelt beschrieben.
Dann wird nach Dänemark gewechselt.
Dort wird genannt, dass ein Digitalisierungsministerium die Umstellung auf Linux und LibreOffice als freie Open Source Bürosoftware beschlossen hat.
Das sind Beispiele, keine Rezepte.
Sie zeigen: DIGITALE SOUVERÄNITÄT kann als Strategie umgesetzt werden, wenn Institutionen das wollen.
Was heißt das für den Unterricht?
Drei einfache Moves funktionieren fast immer, ohne dass man in Tool-Schulung abkippt.
Erstens: Ein Kriterienraster erstellen.
TRANSPARENZ, WECHSELBARKEIT, PRIVATSPHÄRE, SUPPORT.
Und dann zwei Funktionsklassen vergleichen, zum Beispiel Cloud-Speicher oder Office-Programme, ohne Marketingtexte.
Zweitens: LOCK-IN im Schulalltag sichtbar machen.
Welche Logins, Dateiformate oder Workflows wären schwer zu wechseln, und warum.
Das erzeugt oft sehr schnelle Aha-Momente, weil es nah an der eigenen Erfahrung ist.
Drittens: Die demokratische Dimension als Mechanismusfrage behandeln.
Wie beeinflussen Plattformen Sichtbarkeit, Aufmerksamkeitsökonomie und Informationsqualität.
Ohne „Pro oder Contra Firma“, sondern als Analyse von Strukturen.
So bleibt es verständlich.
Und es holt Lehrkräfte ab, die nicht „vom Fach“ sind, weil es über Alltagsfragen startet: Dateien, Konten, Wechsel, Support.
Zum Schluss bleiben drei Begriffe hängen, die das Ganze zusammenhalten.
DIGITALE SOUVERÄNITÄT als Mitte zwischen ABHÄNGIGKEIT und AUTARKIE.
VENDOR LOCK-IN als Mechanismus, der Wechsel teuer macht und damit Machtasymmetrien verstärkt.
Und FREIE SOFTWARE mit QUELLCODE und den vier FREIHEITEN als Möglichkeit, Transparenz, Zusammenarbeit und Wechselbarkeit zu erhöhen.
Danke fürs Zuhören.
Wenn Sie das Thema weiterführen wollen, beginnen Sie mit einer einfachen Frage: Was muss bei uns in der Schule passen, damit digitale Entscheidungen später nicht zum Problem werden?
Dann schauen Sie auf vier Punkte: PRIVATSPHÄRE, TRANSPARENZ, WECHSELBARKEIT und SUPPORT.
Erst wenn diese Punkte klar sind, lohnt es sich, konkrete Beispiele zu vergleichen.
Und im Unterricht gilt das Gleiche: Nicht „welches Tool ist das beste“, sondern „was passiert mit Daten, mit Wechselmöglichkeiten und mit den Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler dabei mitlernen“.
Danke fürs Dabeisein.
Bleiben Sie neugierig, und bleiben Sie dran.